Diese Standard-Arbeitsanweisung (SAA) regelt die hygienischen Anforderungen bei der
Durchführung von Akupunktur und Neuraltherapie in der Rehaklinik Sonnenhuegel.
Sie gilt für alle Standorte der Einrichtung und ist verbindlich für alle Berufsgruppen,
die diese Verfahren anwenden oder dabei assistieren.
Akupunktur (Einstechen steriler Einmalnadeln in definierte Körperpunkte) und
Neuraltherapie (Injektion von Lokalanästhetika wie Procain oder Lidocain in Stör- oder
Schmerzfelder) sind minimalinvasive Eingriffe mit direktem Hautkontakt und
Gewebepenetration. Beide Verfahren erzeugen ein potenzielles Infektionsrisiko für
Rehabilitand:innen und Personal (lokale Wund-, Weichteil- und systemische Infektionen,
Nadelstichverletzungen) und erfordern daher konsequente Hygienemaßnahmen.
Das konkrete Präparat ist dem Reinigungs- und Desinfektionsmittelplan zu entnehmen.
Beide Interventionen können im Standardfall ohne PSA durchgeführt werden, sofern die Basishygiene und die No-Touch-Technik strikt eingehalten werden.
| PSA-Komponente | Indikation und Anwendung |
|---|---|
| Einmalhandschuhe | Nicht zwingend erforderlich. Anlage nur bei absehbarem Kontakt mit Blut (was i. d. R. nicht der Fall ist). Wichtig: Eine strikte No-Touch-Technik (kein Berühren von Nadelschaft oder Kanülenspitze) ist stets einzuhalten! Werden Handschuhe getragen, ersetzen diese nicht die Händedesinfektion. |
| Schutzkittel | Nicht erforderlich. Ausnahmen gelten nur bei gesonderten Isolations-Indikationen (z. B. bei nachgewiesenen Ektoparasiten wie Skabies). |
| Mund-Nasen-Schutz (MNS) | Nicht routinemäßig erforderlich. Ein MNS ist nur bei vorliegenden respiratorischen Symptomen (Husten, Schnupfen) zu tragen. Alternativ kann in diesem Fall auch der/die Rehabilitand:in zum Tragen eines MNS aufgefordert werden, um das Personal zu schützen. |
Vor jeder Nadelinsertion (Akupunktur) und vor jeder Injektion (Neuraltherapie) ist die Einstichstelle mit einem zugelassenen, alkoholischen Hautantiseptikum zu desinfizieren. Das einzusetzende Präparat ist dem Reinigungs- und Desinfektionsmittelplan zu entnehmen.
Grundsätzlich sind zwingend die Angaben des jeweiligen Herstellers zu beachten. Als krankenhaushygienischer Standard gelten folgende Mindest-Einwirkzeiten:
| Hautareal | Art des Eingriffs | Mindest-Einwirkzeit (sichtbar feucht) |
|---|---|---|
| Talgdrüsenarme Haut (z. B. Arme, Beine, Bauch) |
Akupunktur (oberflächlich) / s.c. / i.m. Injektion | Mind. 15 Sekunden (bzw. nach Herstellerangabe) |
| Talgdrüsenarme Haut (z. B. Knie, Schultergelenk) |
Tiefe Punktionen, Gelenkpunktionen (Neuraltherapie) | Mind. 1 Minute |
| Talgdrüsenreiche Haut (z. B. Rücken, Nacken, Kopf, Brust, vordere Schweißrinne) |
Alle Punktionen und Nadelinsertionen (inkl. Akupunktur) | Mind. 1 bis 3 Minuten (Herstellerangabe für talgdrüsenreiche Haut zwingend prüfen!) |
Für Akupunktur und Neuraltherapie sind ausschließlich sterile, zertifizierte
Einmal-Instrumente zu verwenden. Eine Wiederverwendung von Nadeln oder Kanülen ist
unter keinen Umständen zulässig.
Dieses Kapitel gilt ausschließlich für die Neuraltherapie. Eingesetzte Wirkstoffe
sind typischerweise Procainhydrochlorid (0,5–2 %) oder Lidocainhydrochlorid (0,5–2 %),
je nach Technik (Quaddel, Infiltration, Leitungsanästhesie, Ganglientherapie).
Jede Akupunktur- und Neuraltherapie-Behandlung ist im Rehabilitandendokumentationssystem
der Rehaklinik Sonnenhuegel zu erfassen. Die Dokumentation ist Bestandteil der Behandlungsakte
und dient der Rückverfolgbarkeit bei Komplikationen.
Diese Standardarbeitsanweisung ist Teil unserer Schulungsinhalte für Hygienebeauftragte in der Reha. Vertiefen Sie Ihr Wissen mit unseren zertifizierten Online-Kursen: