Diese Standard-Arbeitsanweisung (SAA) gilt für die Rehabilitationseinrichtungen Rehaklinik Sonnenhuegel. Sie regelt den gesamten Prozess der Anlage, Pflege und Entfernung von Blasenverweilkathetern (transurethral und suprapubisch) mit dem Ziel, katheterassoziierte Harnwegsinfektionen (CA-HWI) zu verhüten.
CA-HWI zählen zu den häufigsten nosokomialen Infektionen in stationären Einrichtungen. Im Rehabilitationskontext – insbesondere bei Rehabilitanden mit neurogener Blasenfunktionsstörung (z. B. nach Schlaganfall, Rückenmarksverletzung, Multipler Sklerose) – besteht ein erhöhtes Dauerrisiko. Jeder unnötige Katheter und jeder vermeidbare Kathetertag steigert das Infektionsrisiko.
Die SAA ist verbindlich für alle Mitarbeitenden, die in die Versorgung von Rehabilitanden mit Blasenverweilkathetern eingebunden sind (Ärztlicher Dienst, Pflegefachkräfte, Pflegehilfskräfte unter Aufsicht). Katheterisierungen dürfen ausschließlich von Personen durchgeführt werden, die in korrekter Indikationsstellung, aseptischer Technik und Katheterhygiene geschult sind. Regelmäßige Schulungen – auch zur Erkennung katheterassoziierter Komplikationen – sind verpflichtend.
Ein Blasenverweilkatheter darf nur bei strenger medizinischer Indikation angelegt werden. Die Indikation ist ärztlich anzuordnen und schriftlich zu dokumentieren. Anerkannte Indikationen sind:
Vor Anlage eines Verweilkatheters sind Alternativen zu prüfen und zu dokumentieren:
Die Indikation zum Verbleib des Katheters ist täglich durch den ärztlichen Dienst zu überprüfen und im Dokumentationssystem zu bestätigen oder zur Entfernung anzuordnen. Fällt die Indikation weg, ist der Katheter unverzüglich zu entfernen. Die Liegedauer ist auf das medizinisch erforderliche Minimum zu beschränken.
Der suprapubische Blasenkatheter (SBK) ist bei einer geplanten oder absehbaren Drainagedauer von > 5 Tagen dem transurethralen Verweilkatheter vorzuziehen, um urethrale Schäden und periurethrale Infektionen zu vermeiden (KRINKO Kat. I B). Weitere Indikationen: größere abdominelle oder urologische Eingriffe, Harnröhrenpathologien, neurologische Rehabilitanden mit Langzeitbedarf sowie Situationen, bei denen eine Kontrolle der Spontanmiktion und Restharnmessung erwünscht ist.
Die Anlage ist eine ärztliche Maßnahme unter sterilen Kautelen (sterile Abdeckung, Lokalanästhesie, Trokareinführung oder Seldinger-Technik). Ultraschallgesteuerte Punktion ist zu bevorzugen, um Komplikationen zu minimieren. Anschließend Anschluss an geschlossenes Ableitungssystem.
Vor und nach jeder Manipulation am Katheter oder Ableitungssystem ist eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen (KRINKO Kat. I B) → Mittel und Einwirkzeit gemäß Reinigungs- und Desinfektionsmittelplan. Bei direktem Kontakt mit Urin oder Schleimhaut: zusätzlich Einmalhandschuhe.
Eine ausreichende Urinausscheidung von 1,5–2,0 l/24 h anstreben (Kat. II). Urin-pH-Optimum: 5,8–6,2. Bei Neigung zu Inkrustation: ärztliche Rücksprache bezüglich Harnansäuerung. Regelmäßige Trinkmengendokumentation.
Katheter werden nicht routinemäßig in festen Intervallen gewechselt (Kat. I B). Ein Wechsel erfolgt ausschließlich bei klinischer Indikation:
Eine antibiotische Infektionsprophylaxe beim Legen eines Katheters oder während der Liegedauer wird nicht empfohlen (KRINKO Kat. I B). Asymptomatische Bakteriurie bei katheterisierten Rehabilitanden wird grundsätzlich nicht behandelt (Ausnahme: vor geplanten urologischen Eingriffen – ärztliche Entscheidung).
Täglich sind folgende Parameter zu kontrollieren und zu dokumentieren: Körpertemperatur, Urinbeschaffenheit (Trübung, Flocken, Fötidität), Schmerzen im Bereich Harnröhre/Blase/Flanke. Bei Verdacht auf CA-HWI: ärztliche Rücksprache, Urinprobe und ggf. Entfernung des Katheters.
Sobald die medizinische Indikation für den Katheter entfällt, ist dieser unverzüglich zu entfernen. Die Entscheidung und das Entferndatum sind ärztlich anzuordnen und zu dokumentieren.
Das intermittierende Abklemmen des Katheters vor Entfernung zur Steigerung der Blasenkapazität („Blasentraining”) ist zu unterlassen. Diese Maßnahme initiiert Infektionskomplikationen und ist kontraproduktiv (KRINKO Kat. I B). Beim suprapubischen Katheter ist eine Kontrolle der Spontanmiktion problemlos ohne Abklemmen des Dauerkatheters möglich.
Für reine Mengenbestimmung oder Urinstatus-Teststreifen: Urin mit Einmalhandschuhen aus dem Ablassstutzen des Beutels entnehmen. Ablassstutzen darf Auffanggefäß nicht berühren.
Bakteriologische Urinuntersuchungen erfolgen ausschließlich bei klinischer Symptomatik (Fieber ohne anderen Fokus, Flankenschmerzen, neu aufgetretene Pyurie mit Symptomen; KRINKO Kat. III). Ein generelles routinemäßiges mikrobiologisches Screening bei dauerkatheterisierten Rehabilitanden wird nicht empfohlen. Asymptomatische Bakteriurie ist bei Dauerkatheter nicht behandlungspflichtig.
Für jeden angelegten Katheter sind folgende Angaben im Rehabilitandendokumentationssystem zu erfassen:
Die Teilnahme an Schulungen zu Katheterhygiene und katheterassoziierter Infektionsprävention ist für alle involvierten Mitarbeitenden zu dokumentieren. Schulungsintervall: mindestens jährlich.
Diese Standardarbeitsanweisung ist Teil unserer Schulungsinhalte für Hygienebeauftragte in der Reha. Vertiefen Sie Ihr Wissen mit unseren zertifizierten Online-Kursen: