Diese Standard-Arbeitsanweisung (SAA) regelt die hygienischen Anforderungen an den Betrieb
hydrotherapeutischer Anwendungen in Rehaklinik Sonnenhuegel. Sie gilt verbindlich für alle
Beschäftigten, die Wannenbäder, Stangerbäder oder Unterwassermassagen (UWM) vorbereiten,
durchführen oder nachbereiten.
Hydrotherapeutische Anwendungen – insbesondere die Unterwassermassage mit Umwälzpumpe –
weisen ein erhöhtes Infektionsrisiko auf. Maßgeblich sind Badewassertemperaturen von 30–40 °C
(optimale Wachstumstemperatur für Pseudomonas aeruginosa, Legionella spp. u. a.), der direkte
Hautkontakt sowie Aerosolbildung beim Massagestrahl.
Diese SAA setzt voraus, dass externe Hygienefachkräfte nicht ständig vor Ort
sind. Rückfragen richten sich an die internen Hygienebeauftragten oder den
ärztlichen Dienst.
Die nachfolgenden Anforderungen an Geräte und Verbrauchsmaterialien sind
Grundvoraussetzung für den hygienisch sicheren Betrieb der Hydrotherapie und
vor Inbetriebnahme sowie nach jeder wesentlichen Änderung zu prüfen.
Therapeutische Wannenbäder werden mit frischem Trinkwasser befüllt und nach jeder Anwendung
vollständig entleert. Eine Mehrfachnutzung von Badewasser ist nicht zulässig. Das nachfolgende
Verfahren ist nach jeder Anwendung vollständig durchzuführen.
Hinweis Reinigungsutensilien: Bürsten, Schwämme und Reinigungstücher sind
nach jeder Nutzung zu entsorgen (Einmalmaterial) oder im Desinfektionsverfahren aufzubereiten.
Wiederverwendbare Utensilien dürfen ausschließlich für hydrotherapeutische Wannen eingesetzt
werden und sind getrennt aufzubewahren.
Die UWM stellt hygienetechnisch die anspruchsvollste Anwendung dar: Das Umwälzsystem
(Pumpe, Schläuche, Düsen, Druckschlauch) bleibt nach jeder Anwendung mit Restwasser gefüllt.
Durch eingetragene Hautkeime, Nährstoffe (Hautschuppen, Fette, Kosmetika) und die
Badewassertemperatur (30–40 °C) bilden sich rasch Biofilme, in denen sich u. a.
Pseudomonas aeruginosa und Legionella spp. vermehren können. Eine lückenlose, intervallgerechte
Aufbereitung ist zwingend erforderlich.
Das Stangerbad kombiniert ein Vollbad mit galvanischem Gleichstrom (typisch 0–600 mA,
je nach Gerät und Indikation). Die Wanne wird mit Frischwasser befüllt, das ggf. mit
Natriumchlorid oder Natriumbicarbonat auf die therapeutisch erforderliche Leitfähigkeit
eingestellt wird. Da ausschließlich Einzel-Frischwasser pro Anwendung verwendet wird,
entfällt eine Kreislaufsystem-Desinfektion. Der Hygienefokus liegt auf Wannenoberflächen,
Elektroden und elektrischer Betriebssicherheit.
Wannenbäder und Stangerbad werden mit Trinkwasser (Qualität gemäß TrinkwV) direkt
aus dem Versorgungsnetz befüllt und nach jeder Anwendung vollständig entleert. Ein
gesondertes Aufbereitungsverfahren nach DIN 19643 ist für diese Einzelanwendungen mit
einmaligem Wassergebrauch nicht erforderlich. Für UWM-Anlagen mit Umwälzsystem sind die
mikrobiologischen Richtwerte aus Kapitel 3.5 bindend.
Warmwasserverteilsysteme und Pufferspeicher für die Hydrotherapie sind potenzielle
Legionellen-Brutstätten, wenn Temperaturen dauerhaft zwischen 25 °C und 50 °C auftreten.
Alle hygienerelevanten Maßnahmen sind lückenlos und zeitnah zu dokumentieren.
Unterlagen müssen für Überprüfungen durch Hygienebeauftragte, ärztlichen Dienst und
Gesundheitsbehörden jederzeit zugänglich sein.
| Dokument | Mindestinhalt | Aufbewahrungsfrist |
|---|---|---|
| Desinfektionsprotokoll (nach jeder Anwendung) | Datum, Uhrzeit, Wannentyp/-nummer, durchführende Person, Desinfektionsmittel (Charge), Konzentration, Einwirkzeit, Besonderheiten |
Mindestens 2 Jahre |
| UWM-Systemdesinfektion (täglich / wöchentlich) | Datum, Mittel und Charge, Konzentration, Standzeit, Spülvolumen, Unterschrift |
Mindestens 2 Jahre |
| UWM-Wasseruntersuchung (quartalsweise) | Datum der Probenahme, Labor (akkreditiert), Parameterwerte, Bewertung, ggf. eingeleitete Korrekturmaßnahmen |
Mindestens 10 Jahre |
| Legionellenuntersuchung Hausnetz (TrinkwV) | Prüfbericht des akkreditierten Labors, Maßnahmen bei Grenzwertüberschreitung, Meldung an Gesundheitsamt |
Mindestens 10 Jahre (§ 16 TrinkwV) |
| Stangerbad-Elektrodenkontrolle (monatlich) | Datum, Befund (Korrosion, Risse, Sitz), Unterschrift | Mindestens 2 Jahre |
| DGUV-Prüfprotokoll Stangerbad (jährlich) | Prüfbericht der Elektrofachkraft, Prüfergebnis, Unterschrift | Bis zur nächsten Hauptprüfung, mindestens 4 Jahre |
| Gerätewartungen (Wartungsvertrag) | Wartungsintervall, Befund, ausführende Firma, Unterschrift | Mindestens 4 Jahre |
Hinweis: Alle Abweichungen vom Sollzustand (Grenzwertüberschreitung,
Gerätedefekte, Außerbetriebnahmen) sind mit Datum, Ursache, eingeleiteten Maßnahmen
und Freigabedatum zu dokumentieren. Der/die interne Hygienebeauftragte ist über
alle melderelevanten Ereignisse zu informieren.
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