Diese Standard-Arbeitsanweisung (SAA) regelt die hygienisch sichere und qualitätsgesicherte Stomaversorgung für Rehabilitanden mit Colostoma, Ileostoma oder Urostoma in Rehaklinik Sonnenhuegel. Sie ist verbindlich für alle Mitarbeitenden des Pflege- und Therapieteams, die an der Stomaversorgung beteiligt sind, und dient dem Schutz der Rehabilitanden vor Infektionen sowie der Förderung des Selbstmanagements als Rehabilitationsziel.
Allen Stomatypen gemeinsam ist die tägliche Inspektion auf Farbe (gesund: rosa-rot), Feuchtigkeit, Schleimhautbeschaffenheit, Stomagröße und peristomalen Hautzustand. Die Reinigung der peristomalen Haut erfolgt ausschließlich mit lauwarmem Wasser und weichem, fusselfreiem Einmalmaterial. pH-neutrale, nicht rückfettende Reinigungslotionen sind ergänzend möglich; Seifenreste müssen vollständig abgespült werden, da Rückstände die Haftung der Basisplatte reduzieren.
Ungeeignet und kontraindiziert für die peristomale Haut sind: Desinfektionsmittel, alkoholhaltige Lösungen, rückfettende Salben/Cremes/Pflegetücher, fetthaltige Substanzen sowie parfümierte Produkte (Haftungsverlust, Hautirritationen).
Peristomale Hautschäden entstehen primär durch feuchtigkeitsbedingte Hautschäden (MASD – Moisture-Associated Skin Damage) und durch adhäsivbedingte Verletzungen (PMARSI – Peristomal Medical Adhesive-Related Skin Injury). Präventive Maßnahmen haben Vorrang vor therapeutischen.
Der DET-Score (Discolouration – Erosion – Tissue Overgrowth) bewertet den peristomalen Hautzustand; Score 0 = gesunde Haut, Score ≥4 = interventionsbedürftig.
Alle relevanten Auffälligkeiten werden unverzüglich dem ärztlichen Dienst gemeldet und dokumentiert. Die interne Hygienebeauftragte / der interne Hygienebeauftragte wird bei Infektionsverdacht einbezogen.
| Komplikation | Erkennungszeichen | Sofortmaßnahme |
|---|---|---|
| Stomaprolaps | Vorfall der Schleimhaut ≥2 cm über Hautniveau, ggf. Schwellung | Arzt informieren; feuchte Kompresse auflegen; keine Reposition durch Pflege ohne ärztliche Anweisung |
| Stomarückzug/-einziehung | Stoma unterhalb des Hautniveaus, Leckagerisiko erhöht | Arzt informieren; konvexes Versorgungssystem erwägen; Stomatherapeut:in einbeziehen |
| Stomanekrose | Verfärbung dunkelrot bis schwarz, kein Blutungsreflex bei Berührung | Unverzüglich Arzt informieren – chirurgische Notfallsituation |
| Parastomale Hernie | Vorwölbung neben dem Stoma, Größenzunahme im Stehen/Pressen | Arzt informieren; ggf. Stomagürtel; Hebeanstrengungen reduzieren |
| Peristomale Infektion / Abszess | Rötung, Schwellung, Schmerz, eitrige Sekretion, Fieber | Arzt und ggf. Hygienebeauftragte:n informieren; ggf. Abstrichentnahme; Infektionsabfallmanagement aktivieren |
| Harnwegsinfektion (Urostoma) | Trüber, übelriechender Urin, ggf. Fieber, Flockungen im Beutel | Arzt informieren; Mittelstrahlurin-Ersatzprobe aus Beutelablauf; Beutel wechseln |
Gebrauchte Stomabeutel ohne bekannte übertragbare Infektion des/der Rehabilitanden gelten gemäß LAGA M 18 als nicht-infektiöser Abfall (Abfallschlüssel AS 18 01 04) und werden als Siedlungsabfall (Restmüll/Klinikabfall) entsorgt.
Eine lückenlose Dokumentation sichert die Kontinuität der Stomaversorgung bei Schichtwechsel, Verlegung und Entlassung.
Diese Standardarbeitsanweisung ist Teil unserer Schulungsinhalte für Hygienebeauftragte in der Reha. Vertiefen Sie Ihr Wissen mit unseren zertifizierten Online-Kursen: