### Zweck und Geltungsbereich
Der Zweck der Surveillance nosokomialer Infektionen besteht darin, Infektionen, die im Zusammenhang mit medizinischen Maßnahmen in Rehaeinrichtungen auftreten, systematisch zu erfassen, zu analysieren und präventive Maßnahmen abzuleiten. Diese Surveillance ist in allen Rehaeinrichtungen von Rehaklinik Sonnenhuegel verpflichtend anzuwenden. Die rechtliche Grundlage bildet §23 Abs. 4 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) sowie die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) aus dem Jahr 2020. Diese Maßnahmen sind essenziell, um die Qualität der medizinischen Versorgung zu sichern und die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten.
### Erfassungsverfahren (KISS-Module)
Die Erfassung nosokomialer Infektionen erfolgt über das Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS). Dieses System ermöglicht eine standardisierte Erfassung und Dokumentation nach festgelegten Protokollen. Die Schritte zur Erfassung sind wie folgt:
1. **Identifikation von Infektionsfällen**: Tägliche Überprüfung der Patientenakten auf Hinweise nosokomialer Infektionen.
2. **Dokumentation**: Erfassung der Infektionsdaten gemäß KISS-Protokoll, einschließlich Patientendaten, Infektionstyp und Erreger.
3. **Datenübermittlung**: Monatliche Übermittlung der gesammelten Daten an das Nationale Referenzzentrum (NRZ) zur weiteren Analyse.
4. **Feedback**: Nutzung der anonymisierten Referenzdaten des NRZ zur internen Qualitätsverbesserung.
Die regelmäßige Übermittlung der Daten an das NRZ ist verpflichtend und dient der Erstellung nationaler Referenzdaten zur Infektionskontrolle.
### Erreger und Infektionsarten
Die Surveillance konzentriert sich auf spezifische Erreger und Infektionsarten, die in Rehaeinrichtungen von besonderer Bedeutung sind. Dazu gehören:
– **Clostridioides difficile**: Überwachung schwerer Infektionsverläufe.
– **Methicillinresistenter Staphylococcus aureus (MRSA)**: Erfassung von Infektionen in Blut und Liquor.
– **Carbapenem-resistente Acinetobacter und Enterobacterales**: Erfassung von Infektionen und Kolonisationen.
– **Adenoviren**: Überwachung von Infektionen, insbesondere in Ausbruchssituationen.
– **Postoperative Wundinfektionen**: Dokumentation im Rahmen von Qualitätssicherungsverfahren.
– **Sepsis**: Ab 2026 auch in der Datenerfassung enthalten.
Diese Erreger und Infektionsarten werden systematisch erfasst, um gezielte Präventionsmaßnahmen ableiten zu können.
### Dokumentation und Auswertung
Die Dokumentation aller relevanten Daten erfolgt systematisch und vollständig. Die Schritte zur Dokumentation sind:
1. **Datenerfassung**: Tägliche Erfassung von Infektionsdaten durch das zuständige Personal.
2. **Datenpflege**: Regelmäßige Aktualisierung und Überprüfung der erfassten Daten auf Vollständigkeit und Richtigkeit.
3. **Anonymisierung**: Vor der Weiterleitung an das NRZ werden die Daten anonymisiert, um den Datenschutz zu gewährleisten.
4. **Interne Auswertung**: Monatliche Auswertung der Daten zur internen Qualitätssicherung und Identifikation von Verbesserungspotentialen.
Die anonymisierten Daten werden durch das NRZ analysiert und als Referenzdaten bereitgestellt, um nationale Vergleiche zu ermöglichen.
### Jährliche Analyse und Bericht
Einmal jährlich wird ein umfassender Bericht zur Infektionslage erstellt. Dieser Bericht umfasst:
1. **Datenanalyse**: Auswertung der gesammelten Daten zur Identifikation von Trends und Mustern nosokomialer Infektionen.
2. **Berichterstellung**: Zusammenfassung der Analyseergebnisse in einem Bericht, der an die Leitung von Rehaklinik Sonnenhuegel übermittelt wird.
3. **Vergleich mit nationalen Daten**: Gegenüberstellung der Ergebnisse mit nationalen Referenzdaten zur Bewertung der eigenen Infektionslage.
4. **Feedback**: Nutzung der Ergebnisse zur Anpassung und Verbesserung der Infektionskontrollmaßnahmen.
Dieser Bericht dient als Grundlage für strategische Entscheidungen im Bereich der Infektionsprävention.
### Maßnahmenableitung
Basierend auf den Analyseergebnissen werden präventive Maßnahmen abgeleitet. Diese umfassen:
1. **Identifikation von Risikobereichen**: Analyse der Daten zur Identifikation von Bereichen mit erhöhtem Infektionsrisiko.
2. **Maßnahmenplanung**: Entwicklung spezifischer Maßnahmen zur Risikominimierung in identifizierten Bereichen.
3. **Implementierung**: Umsetzung der geplanten Maßnahmen in den betroffenen Bereichen.
4. **Schulung**: Fortbildung des Personals zur Umsetzung der neuen Maßnahmen und zur Erhöhung der Compliance.
Diese Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, die Infektionsraten zu senken und die Patientensicherheit zu erhöhen.
### Rechtsgrundlage
Die rechtliche Grundlage für die Surveillance nosokomialer Infektionen bildet §23 Abs. 4 IfSG, der die Verpflichtung zur Erfassung und Meldung nosokomialer Infektionen festlegt. Ergänzt wird dies durch die KRINKO-Empfehlungen zur Surveillance von 2020, die detaillierte Vorgaben zur Durchführung und Dokumentation machen. Diese rechtlichen Vorgaben sind bindend und müssen in allen Rehaeinrichtungen von Rehaklinik Sonnenhuegel umgesetzt werden. Sie dienen der Sicherstellung einer hohen Versorgungsqualität und der Einhaltung gesetzlicher Anforderungen.
### Technische und räumliche Infrastruktur
Eine adäquate technische und räumliche Infrastruktur ist Voraussetzung für ein effektives Hygiene- und Infektionsmanagement. Die Anforderungen umfassen:
1. **Technische Ausstattung**: Bereitstellung von Computern und Software zur Datenverarbeitung und -analyse.
2. **Räumliche Voraussetzungen**: Bereitstellung geeigneter Räumlichkeiten für die Durchführung von Hygienemaßnahmen und Schulungen.
3. **Digitale Tools**: Integration und Nutzung digitaler Tools zur Unterstützung der Surveillance und Datenanalyse.
Diese Infrastruktur ist notwendig, um die Surveillance effizient und effektiv durchführen zu können.
Diese Standardarbeitsanweisung ist Teil unserer Schulungsinhalte für Hygienebeauftragte in der Reha. Vertiefen Sie Ihr Wissen mit unseren zertifizierten Online-Kursen: