Diese Standard-Arbeitsanweisung (SAA) regelt den hygienisch sicheren Umgang mit vollständig implantierten Portsystemen (Portkatheter-Systemen) in Rehaklinik Sonnenhuegel. Ziel ist die konsequente Prävention katheterassoziierter Infektionen (CRBSI – Catheter-Related Bloodstream Infection) durch einheitliche, aseptische Arbeitsverfahren auf dem Stand der KRINKO-Empfehlungen.
Diese SAA gilt für alle Mitarbeitenden, die Portsysteme punktieren, versorgen oder überwachen. Sie findet Anwendung ausschließlich, wenn folgende Ausstattungsvoraussetzungen dauerhaft sichergestellt sind:
Ein Portsystem besteht aus einer subkutan implantierten Portkammer mit Silikonmembran (Septum) und einem getunnelten Katheter, dessen Spitze in der Regel in der Vena cava superior liegt. Die Punktion der Silikonmembran darf ausschließlich mit speziell geschliffenen Hohlnadeln (Huber-Kanülen) erfolgen – Standard-Luer-Schliff-Kanülen zerstören die Membran durch Ausstanzeffekte und sind verboten.
Die liegende Portnadel ist spätestens nach 5–7 Tagen zu wechseln (gängige klinische Praxis gemäß Herstellerangaben; keine einheitliche KRINKO-Festlegung). Ein sofortiger vorzeitiger Wechsel ist unabhängig vom Liegeintervall erforderlich bei:
Standardverband ist ein transparenter, semipermeabler Polyurethan-Klebefilm (Folie). Er ermöglicht die tägliche Sichtkontrolle ohne Verbandwechsel und reduziert die Manipulationshäufigkeit. Chlorhexidin-haltige Verbandfolien können bei erhöhtem Infektionsrisiko (z. B. immunsupprimierte Rehabilitand:innen) eingesetzt werden, sofern ärztlich angeordnet und im RD-Plan aufgeführt. Gazeverbände sind nur bei Unverträglichkeit der Folie zulässig und erfordern einen kürzeren Wechselrhythmus (alle 2 Tage).
Nach jeder Anwendung des Portsystems (Infusion, Medikamentengabe, Blutentnahme) ist das Lumen mit NaCl 0,9 % in pulsatiler Technik (Push-Pause-Methode) zu spülen:
Im Anschluss an die Spülung wird das System mit einer Blocklösung gesichert. Dabei ist die Positivdruck-Technik einzuhalten: Beim Trennen der Spritze gleichzeitig die Klemme schließen bzw. den letzten Milliliter unter leichtem Druck einspritzen, um Blutrückfluss zu verhindern.
| Blocklösung | Empfehlung | Hinweise |
|---|---|---|
| NaCl 0,9 % (3–5 ml, Fertigspritze) | Mittel der Wahl | Aktuelle Evidenz zeigt keine Unterlegenheit gegenüber Heparin; keine Nebenwirkungen; einfache Handhabung |
| Heparin/NaCl-Lösung (100–300 IE/ml) | Nur auf ausdrückliche ärztliche Anordnung | Kein belegter Vorteil gegenüber NaCl; Risiken: HIT (Heparin-induzierte Thrombozytopenie), Blutung, mögliche Biofilmbildung. Routineeinsatz nicht mehr empfohlen |
| Antimikrobielle Locklösungen (z. B. Taurolidin/Citrat, Ethanol) | Nur nach ärztlicher Anordnung bei erhöhtem Infektionsrisiko | Bei rezidivierenden CRBSI oder immunsupprimierten Rehabilitand:innen erwägen; gemäß RD-Plan und Herstellervorgaben anwenden |
Bei nicht aktiv genutztem Portsystem ist eine regelmäßige prophylaktische Spülung gemäß ärztlicher Anordnung durchzuführen. Als Standardintervall gelten 4-wöchige Abstände. Aktuelle Beobachtungsstudien zeigen keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Okklusionsrate bei Intervallen bis zu 12 Wochen; die Evidenzqualität ist jedoch niedrig (RR 1,12; 95%-KI 0,57–2,20). Die konkrete Festlegung des Intervalls erfolgt durch den ärztlichen Dienst in Abstimmung mit dem/der internen Hygienebeauftragten und ist zu dokumentieren.
Während der Liegezeit der Portnadel ist die Einstichstelle täglich zu inspizieren (bei transparentem Verband ohne Verbandwechsel möglich) auf:
| Komplikation | Klinische Zeichen | Sofortmaßnahme |
|---|---|---|
| CRBSI (Katheterinfektion) | Fieber/Schüttelfrost innerhalb 45 min nach Infusionsbeginn über Port; Rötung/Eiter an Einstichstelle; Sepsis-Zeichen | Port nicht mehr nutzen; ärztlichen Dienst sofort informieren; Blutkulturen peripher und aus Port abnehmen lassen; Meldung gemäß Kapitel 7; Entscheidung über Portexplantation durch Arzt/Ärztin |
| Okklusion | Kein Blutfluss aspirierbar; erhöhter Widerstand beim Spülen; kein Rückfluss | Keine forcierte Spülung; ärztlichen Dienst informieren; ggf. Deblockierung nach Anordnung (Aspirationsversuch mit 10 ml NaCl); bildgebende Abklärung bei V. a. Thrombose oder Fehllage |
| Extravasation | Schwellung, Schmerz, Kälte, Rötung im Portbereich bei laufender Infusion | Infusion sofort stoppen; Portnadel belassen; Aspirationsversuch; ärztlichen Dienst sofort informieren; Maßnahmen gemäß Extravasations-Protokoll; bei Zytostatika-Extravasation: Notfall |
| Porttascheninfektion | Rötung, Schwellung und ggf. putride Sekretion im Bereich der Portkammer; Hautnekrose | Port nicht mehr nutzen; ärztlichen Dienst informieren; antiseptische Lokalbehandlung nach Anordnung; ggf. Portexplantation |
| Nadelstichverletzung (Personal) | Stichverletzung durch Portnadel | Sofortmaßnahmen gemäß SAA Nadelstichverletzung (Blutfluss fördern, Desinfektion, Wunde nicht ausdrücken); Meldung Durchgangsarzt/Durchgangsärztin; D-Arzt-Bericht; interne Dokumentation |
Vor jedem Zugang zum Portsystem über einen nadelfreien Konnektor (NFC) ist dieser mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel gemäß RD-Plan für mindestens 15 Sekunden mechanisch zu desinfizieren (Scrub-the-Hub-Technik: kreisende Reibbewegung mit getränkter Kompresse) und anschließend trocknen zu lassen. Diese Maßnahme ist entscheidend zur Prävention luminaler Kontamination und darf nicht weggelassen werden.
Die Händehygiene ist die wichtigste Einzelmaßnahme zur Prävention katheterassoziierter Infektionen. Vor jeder Manipulation am Portsystem ist eine hygienische Händedesinfektion gemäß WHO-5-Momente-Modell durchzuführen. Das Tragen von Schmuck (Ringe, Armbänder, Uhren) an Händen und Unterarmen ist bei jeder Portversorgung verboten. Fingernägel sind kurz zu halten; Kunstfingernägel sind im Umgang mit Portsystemen nicht zulässig.
| Maßnahme | Erforderliche PSA | Kategorie |
|---|---|---|
| Portpunktion (Erstpunktion / Nadelwechsel) | Sterile Handschuhe; steriler langärmeliger Kittel mit Bündchen; OP-Haube; Mund-Nasen-Schutz; großzügig dimensioniertes steriles Lochtuch | KRINKO Kat. IB |
| Verbandwechsel an liegender Nadel | Sterile Handschuhe; MNS; bei Spritzergefahr Schutzbrille | KRINKO Kat. IB / TRBA 250 |
| Systemmanipulation (Spülung, Konnektion, NFC-Wechsel) | Sterile oder keimarme Handschuhe; MNS | KRINKO Kat. II |
| Portnadel-Entfernung | Sterile Handschuhe; MNS; Schutzbrille empfohlen | TRBA 250 |
Gebrauchte Huber-Kanülen sind unmittelbar nach der Entfernung in den am Bett bereitstehenden gebrauchssicheren Kanülenabwurfbehälter (UN 3291, nach TRBA 250) zu entsorgen. Das Recapping (Wiederverschließen der Nadel mit der Schutzkappe) ist verboten. Für Spritzennadeln sind Sicherheitskanülen oder die Einhand-Einführtechnik anzuwenden.
Mitarbeitende dürfen Portsysteme erst eigenständig versorgen, wenn eine strukturierte einrichtungsinterne Einweisung dokumentiert ist. Jährliche Schulungen zu aktuellen KRINKO/RKI-Empfehlungen, häufigen Fehlerquellen und Komplikationsmanagement sind durch den/die interne:n Hygienebeauftragte:n oder den ärztlichen Dienst zu organisieren. Schulungsteilnahmen sind zu dokumentieren.
Jede Portmaßnahme ist unmittelbar nach Durchführung in der Dokumentation des Rehabilitanden / der Rehabilitandin festzuhalten. Folgende Angaben sind Pflicht:
Diese Standardarbeitsanweisung ist Teil unserer Schulungsinhalte für Hygienebeauftragte in der Reha. Vertiefen Sie Ihr Wissen mit unseren zertifizierten Online-Kursen: