Diese Standard-Arbeitsanweisung (SAA) regelt die hygienisch sichere Anlage, Pflege und
Entfernung nichtgetunnelter zentralvenöser Katheter (ZVK) in der Einrichtungen
(Rehaklinik Sonnenhuegel). Sie gilt für alle ärztlichen und pflegerischen Mitarbeitenden, die ZVKs
anlegen, pflegen oder entfernen.
Ziel ist die Prävention Katheter-assoziierter Blutbahninfektionen (CABSI) durch
konsequente Umsetzung der KRINKO-Empfehlung zur Prävention von Infektionen, die von
Gefäßkathetern ausgehen (2017). .
In Rehabilitationseinrichtungen ist ein ZVK eine seltene Ausnahmeindikation. Aufgrund des
Rehabilitanden-Kollektivs und der im Vergleich zu Akutkrankenhäusern eingeschränkten
Infrastruktur sind besonders strikte Indikationsstellung, konsequente tägliche Reevaluation
und die frühestmögliche Entfernung des ZVK geboten. Bei hygienischen Rückfragen wenden
sich die Mitarbeitenden an den/die ärztlichen Hygienebeauftragten.
Die Anlage eines ZVK ist nur bei strenger medizinischer Indikation zulässig. Mögliche
Indikationen sind:
Vor Anlage eines ZVK sind folgende Alternativen zu prüfen. Die Entscheidung gegen eine
Alternative ist zu begründen und zu dokumentieren:
Hinweis: Die KRINKO empfiehlt keine präferenzielle Anlage von PICC-Kathetern
als Standardersatz für ZVK bei Erwachsenen (Kat. IB), da andere Komplikationen (z. B. Thrombose)
aufgewogen werden müssen. Die Entscheidung trifft der ärztliche Dienst nach individueller
Risikoabwägung.
Die Indikation zur Anlage eines Mehrlurigkatheters (≥ 3 Lumina) ist streng zu überprüfen.
Das Vorliegen mehrerer ungenutzter Lumina erhöht das Risiko einer Blutstrominfektion und die mechanische
Komplikationsrate. Es soll der Katheter mit der minimal erforderlichen Anzahl an Lumina
verwendet werden.
Die Notwendigkeit des ZVK ist täglich im Rahmen der Visitenroutine zu überprüfen und in
der Kurve zu dokumentieren (Datum, Ergebnis, Handzeichen). Ein systematischer
Reevaluations-Reminder ermöglicht nach Studienlage eine bis zu 25 % frühere Entfernung.
Der ZVK ist unverzüglich zu entfernen, sobald die Indikation entfällt.
Bei jeder ZVK-Anlage sind folgende Maximalbarrieremaßnahmen (MBP) einzuhalten:
Die Hautantiseptik erfolgt mit einem alkoholischen Präparat mit Remanenzeffekt
gemäß Reinigungs- und Desinfektionsplan:
Vorgehen: Punktionsstelle großflächig
desinfizieren mittels Wischdesinfektion (Sprühdesinfektion ist nicht zulässig!) und währende der gesamten Einwirkzeit (i.d.R. 1 Minute) die mechanische Wischdesinfektion mit ausreichend Desinfektionsmittel durchführen; vor Punktion vollständig
abtrocknen lassen.
Hinweis: Chlorhexidinhaltige Präparate sind bei Kindern unter 2 Monaten
kontraindiziert; bei Frühgeborenen ist Octenidin mit Vorsicht einzusetzen.
ZVKs, die unter Notfallbedingungen ohne volle Maximalbarrieremaßnahmen angelegt wurden,
sind – sobald die Situation es erlaubt – innerhalb von 24 Stunden an einer neuen Punktionsstelle
unter aseptischen Kautelen neu anzulegen. Der Notfall-ZVK ist dabei zu entfernen.
| Verbandtyp | Wechselintervall | Besonderheiten / Indikation |
|---|---|---|
| Transparenter Folienverband (semipermeable Folie) | Alle 7 Tage | Bevorzugt; Eintrittsstelle täglich direkt visuell inspizierbar |
| Steriler Gazeverband (undurchsichtig) | Alle 72 Stunden; täglich palpatorisch nach Händedesinfektion kontrollieren | Alternative bei feuchter Haut / Diaphorese; kein tägliches Öffnen erforderlich bei unauffälligem Palpationsbefund |
| Chlorhexidin-freisetzender Transparentverband | Alle 7 Tage | Einseatz wird empfohlen bei besonders vulnerablen Rehabilitanden (z. B. hochgradige Immunsuppression) (Kat. IA). Lokale Verträglichkeit beobachten; schwere Reaktionen dokumentieren und dem Hersteller melden (Kat. IV) |
Bei jeder Manipulation am Infusionssystem ist eine hygienische Händedesinfektion obligat, das
Tragen von Einmalhandschuhen wird nicht als Routine empfohlen. Unnötige Manipulationen sind auf ein Minimum
zu reduzieren.
| Infusionsart | Maximales Wechselintervall | KRINKO-Kategorie |
|---|---|---|
| Standard-Infusionslösungen (Kristalloide, Medikamente ohne Lipidanteil) | Nicht häufiger als alle 96 Stunden | IA |
| Lipidhaltige Infusionslösungen (z. B. TPN mit Lipidanteil) | Mindestens alle 24 Stunden; Fachinformation des Herstellers beachten | IB / IV |
| Propofol (lipidhaltig) | Spätestens alle 12 Stunden; Fachinformation beachten | IV (Herstellerangabe) |
| Blut und Blutprodukte | Nach jeder Einheit, spätestens nach 6 Stunden | IV (Transfusionsrichtlinie BÄK) |
| Bei Verdacht auf CABSI | Sofortiger Wechsel des gesamten Infusionssystems | Bewährte klinische Praxis |
Blutentnahmen über den ZVK sind auf das medizinisch notwendige Minimum zu beschränken,
da jede Manipulation das Kontaminationsrisiko erhöht. Periphere Blutentnahmen haben Vorrang.
Ein routinemäßiger ZVK-Wechsel nach festem Zeitintervall ist nicht indiziert (Kat. IB).
Ein Wechsel über einen Führungsdraht (Seldinger-Wechsel) erhöht in den meisten Studien das
Risiko für eine Blutstrominfektion signifikant und soll nur nach sehr sorgfältiger individueller Risikoabwägung
erfolgen (Kat. II). Falls ein Führungsdrahtwechsel medizinisch unumgänglich ist: Durchführung
unter denselben Maximalbarrieremaßnahmen wie bei der Neuanlage; ggf. Wechsel auf einen
Minocyclin/Rifampicin-imprägnierten ZVK erwägen (Kat. II).
Diese Standardarbeitsanweisung ist Teil unserer Schulungsinhalte für Hygienebeauftragte in der Reha. Vertiefen Sie Ihr Wissen mit unseren zertifizierten Online-Kursen: